Windkraft: Sozialökologische Wende statt „Green-New-Deal“

Das Aus für die Stadtwerke-Planungen, am Lichten Küppel Windräder zu errichten, ist bedauerlich. Um den Klimawandel mitsamt seinen verheerenden sozialen und ökologischen Folgen aufzuhalten, müssen die regenerativen Energien massiv ausgebaut werden. Als Teil eines Energiemix gehört dazu auch die Windkraft. Ein solcher Ausbau muss dezentral erfolgen, um die Macht der großen Energiekonzerne zu brechen. Und die Energieerzeugung gehört in öffentliches Eigentum, damit nicht Privatinvestoren Anlagen allein zur Profitmaximierung betreiben.

Der Naturschutz (Schutz des bedrohten Rotmilans) hat nun dem Bau von zwei Windkraftanalagen auf dem Lichter Küppel einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das ist in Ordnung. Der Schaden für den Marburger Beitrag zur Energiewende ist enorm. Die Koalition aus SPD und Grünen wollte in dieser Legislatur 12 (!) Windkraftanlagen im Marburger Stadtgebiet errichten. Nächstes Jahr wird neu gewählt. Bis dahin wird kein weiteres Windrad stehen. Die unzureichende und abgehobene Kommunikation des Magistrats hat viele Marburger/innen gegen die Windkraftpläne aufgebracht. Bürger/innenbeteiligung sieht anders aus. Die Regionalplanung sieht nach jetzigem Stand neben dem Lichter Küppel noch drei weitere Vorrangflächen für Windkraftanlagen vor: Marburg Nord, Görzhäuser Hof und zwischen Ronhausen und Bortshausen. Laut Auskunft des Bürgermeisters Dr. Franz Kahle sind an allen drei Standorten Privatinvestoren dabei, Planungen für Windkraftanlagen voranzutreiben. Die Stadtwerke bleiben außen vor. Das ist mehr als bedauerlich. Als Marburger Linke haben wir die formale Privatisierung der Stadtwerke ebenso massiv kritisiert, wie das betriebswirtschaftliche Denken und die Intransparenz des städtischen Betriebs. Dennoch sind uns die Stadtwerke als Partner für die Energiewende lieber als Privatinvestoren. Auf die Stadtwerke können wir – wenn auch begrenzt – Einfluss nehmen, auf Privatinvestoren nicht.

Was bleibt von den Windkraftplänen von SPD und Grünen? Irgendwann vielleicht werden im Marburger Stadtgebiet Windkraftanlagen von Privatinvestoren errichtet. Statt sozialökologischer Umbau ist das Green-New-Deal. Und aus meiner Sicht der falsche Weg.